Theos Geschichte

 

Es begann alles damit das meine Frauenärztin im Ultraschall einen sogenannten white spot im Herzen unseres Kindes entdeckte, das kommt relativ häufig vor und bildet sich in der Regel wieder spontan zurück oder verwächst sich. Zur Sicherheit hat sie uns trotzdem zu einem Spezialisten der sich auf Herzen Ungeborener spezialisiert hat nach Stuttgart in eine Herzklinik überwieseEn. Seid der Nachricht des white spots haben wir innerlich eine Unruhe gespürt, doch es dem andern nicht gesagt. Der Möbelkauf ist immer mehr nach hinten verschoben wurden, wir wollten erst den Termin beim Kardiologen abwarten. Dieser war dann am 3.11.2010, die Fahrt dort hin war sehr angespannt, doch wenn man ehrlich ist denkt man doch die ganze Zeit: "Ach, warum gerade wir? Das Schicksal wird uns schon verschonen und es trifft doch immer die Anderen.". An dem Tag war eine Ärztin da, mit der sich der genannte Spezialist die Praxis teilt, auch diese Frau war Spezialistin für Herzen Ungeborener und auch Professorin. Also liege ich irgendwann auf der Ultraschallmatte den Blick auf einen riesigen Monitor vor mir an der Wand auf denen Bilder meines Kindes zu sehen sind, mein Mann saß links von mir auf einem Sessel. Die Ärztin sah alles an und ich dachte mir noch so:"Naja, sie hat sich ja auch das Herz angesehen und nichts gesagt, also wird schon alles okay sein.", doch dann sah sie sich das Herz genau an über Minuten hinweg und machte immer wieder Bilder, um dann zu sagen " Es tut mir leid Ihnen das mitzuteilen doch ihr Kind ist nicht lebensfähig." Unsere Welt ist zusammen gebrochen, ich brach in Tränen noch auf der Matte aus und meinem Mann ist gleich super schlecht gewurden. Davor hat sie uns noch gesagt: "Ach sie sind so jung, das da etwas ist liegt bei 1: 3000." Solche blöden Statistiken. Nach einigen Minuten des Gedanken sammeln gingen wir rüber in den Besprechungsraum, dort erklärte sie uns das unser Kind das hypoplastische Linksherzsyndrom (und noch andere kleinere Dinge ) und das auch noch in seiner extremsten Form hat. Das heißt das Theo´s linke Herzkammer im Prinzip nicht vorhanden war, da die Innenwände so verdickt waren durch einen gutartigen Tumor das dort kein Kammerraum vorhanden war. Das er überhaupt noch am Leben war, lag daran das Ungeborene und Säuglinge bis zu einem bestimmten Alter ein Loch zwischen beiden Kammern haben, Foramen ovale nennt man das, es schließt sich einige Zeit nach der Geburt, da das Kind ja dann einen eigenständigen Blutkreislauf hat und nicht mehr mit der Mutter verbunden ist. Und ich atmete ja noch für ihn und versorgte ihn somit mit Sauerstoff, das aber anscheinend auch nicht ganz ausreichte da man schon eine Unterversorgung des Hirnes feststellte. Sie listete uns nun auf was man machen könne, doch um ehrlich zu sein haben wir uns schon in diesem Raum noch still entschieden, jeder der nur ein wenig medizinisches Wissen hat weiß das es ohne das Herz nicht funktioniert. Sie sagte uns man könnte es trotzdem versuchen im Mutterleib zu operieren, was aber extrem kompliziert ist, da es die linke Herzkammer ist und das für Mutter und Kind sehr gefährlich werden kann, weil diese Op´s noch nicht sehr lange existieren. Dann, ich könnte es austragen und man holt ihn mit Kaiserschnitt und operiert unseren Sohn sofort bzw. schließt ihn direkt an die Herzlungenmaschine, was unglaubliche Hirnschäden durch den Sauerstoffmangel hinterlässt, wenn er überhaupt bis dahin kommen würde da seine Überlebenschancen bei 2% lagen. Dann, ich trage Theo aus und wir lassen ihn dann sterben,was für eine unglaubliche psychische Belastung. Ich trage ein Kind in meinem Bauch was sich bewegt und das dann auch immer mehr von Tag zu Tag, und ich wüsste sobald ich es gebäre stirbt es, danach hätten sie mich gleich einweisen können. Wenn ich mich nicht schon in dieser Zeit selbst umgebracht hätte. Er wäre nicht einmal in der Lage gewesen den Initialschrei zu machen. Und die letzte Möglichkeit einen Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen. Also um es auf deutsch zusagen "Schadensbegrenzung", so nannte es ein Arzt. Und dafür entschieden wir uns wie ich schon sagte noch in diesem Raum ohne das es jemand aussprach, wir haben uns bloß angesehen. Die Ärztin sagte auch nach meiner Frage ob sie sich vielleicht irren könnte: "Da müsste ich mich schon arg teuschen, doch es wird sich selbstverständlich noch ein anderer Spezialist ansehen", so etwas muss schon aus rechtlichen Gründen geschehen in unserem Staat. Am 8.11.2010 sollten wir noch mal in die Praxis kommen damit es sich ein der andere Professor der sich zu der Zeit des 3.Novembers in England befand, doch bis dahin war es noch lange. Auf dem Heimweg haben wir schrecklich geweint und hätten uns am liebsten das Leben genommen. Theodor war ein absolutes Wunschkind! Meine Mutter kam am nächsten Tag, auch sie war völlig fertig. Sie hatte sich erst vor Kurzem mit ihrem Freund eine Häuserhälfte angesehen in der sie ein Kinderzimmer einrichten wollten, sie war so stolz das ich schwanger war. Am 4.11.2010 gegen abend rief ich voller Verzweiflung meine Frauenärztin an, die dann extra noch einmal spätabends in die Praxis kam und uns alles erklärte auch sie sah deutich den Defekt des Herzens auf den Ultraschallbild, den auch wir erkennen konnten, mein Mann ist ja Rettungsassisten und meine Mutter ist gelernte Kinderkrankenschwester. Sie sagte auch das wir uns richtig entschieden haben, wir würden unserem Kind unglaubliches Leid ersparen und uns mehr Psychisches. Allerdings kam dann der nächste Schock, ich dachte ich werde mein Kind unter Narkose bekommen, doch da die Schwangerschaft schon soweit fortgeschritten war geht das nicht und einen Kaiserschnitt kann man nicht machen, man würde die Gebärmutter zu sehr verletzten so das ich vielleicht keine Kinder mehr bekommen könnte da sie noch nicht so gespannt ist wie zum Ende der Schwangerschaft. Ich sollte also mein Kind natürlich zur Welt bringen, was auch wichtig zur Trauerverarbeitung ist, das es wirklich passiert ist usw. Sie verschrieb uns Valium damit wir wenigstens etwas schlafen konnten. Am 8.11.2010 hatten wir dann den zweiten Expertentermin der auch die Diagnose noch einmal bei einem erneuten Ultraschall bestätigte und uns sagte das wir uns richtig entschieden haben. Am selben Tag hatten wir noch einen Termin im Genetikum, da alles auf eine Trisomie 18 hinwies. An dem Abend mit dem Wissen das ich am nächsten Tag ins Krankenhaus müsse und es der letzte zu dritt werden würde genossen wir. Ich badete sehr lange und wir streuten buntes Badekonfetti auf meinem Bauch, streichelten ihn, redeten mit ihm und weinten, das ging alles sehr lange. Am nächsten Morgen dem 9.11. 2010 kam meine Mutter und wir fuhren alle ins Krankenhaus, dort bekam ich ein Zimmer abseits der glücklichen Mütter und Schwangeren und man sagte mir das ich Theo im Zimmer zur Welt bringen würde. Alle waren so lieb und verständnisvoll und haben uns in unserer Entscheidung bestärkt. Sie gaben mir wehenauslösende Scheidenzäpfchen, die dann auch bald anfingen zu wirken, doch ich konnte ja so viel Schmerzmittel bekommen wie ich wollte, man brauchte keine Rücksicht mehr auf das Kind zu nehmen. Mein Bauch wurde davon ganz hart, doch ich spürte ihn trotzdem noch, seine Tritte und Bewegungen, doch dann nach einiger Zeit spürte ich nichts mehr und da wusste ich das er gegangen ist, das fand ich schön ich wusste er musste nicht leiden sondern schlief einfach ein und er war nicht alleine, ich war ja bei ihm als er ging. Er starb da wo er sich geborgen fühlte und ohne Angst. Das er schon am Dienstag starb wurde mir dann auch noch nach der Geburt bestätigt. über die Nacht wurde die Gabe der Zäpfchen eingestellt. Am 10.11.2010 wurde weiter gemacht, die Schmerzen wurden trotz Schmerzmittel immer schlimmer und auch nachdem ich die PDA bekommen hatte. Normalen Gebärenden haben schon Tage vorher Senkwehen und der Muttermund wird weich, doch bei mir ging es von 0 auf 100. Von steinhart zu ganz weich in kürzester Zeit. 15.45 Uhr ca. ist meine Fruchtblase geplatzt und um 15.53 Uhr wurde mein kleiner Theodor still geboren, wir wollten ihn nicht sehen kurz danach, da er noch warm war und wir Angst hatten wir würden ihn nicht loslassen wollen. Wir wollten bis zum nächsten Tag warten, er ist dann kalt und so ist ja auch der Tod und wir glauben wir begreifen es so besser was dann auch so war. Meine Mutter hat ihn sich kurz nach der Entbindung angesehen, sie war ganz stolz auf ihn. Nach der Geburt musste ich noch unter Narkose ausgeschabt werden. Als die Op vorbei war wurde ich in ein anderes Zimmer gebracht um mit den Geschehenen abzuschließen. Am nächsten Tag, es war morgens, haben wir uns unseren Sohn, unser Sternenkind, angesehen. Er war süß angezogen und lag schön mit Blumen hergerichtet in einem Weidenkorb. Er sah aus als ob er schläft. So süß und wunderschön ganz wie ein normales Kind, nur viel kleiner. Er war normal entwickelt, nur sein kleines Herz das funktionierte nicht. Wir haben lange Abschied genommen, ihn angefasst, ihn geküsst und zu ihm gesprochen. Die Hebammen und Ärzte sagten das wir schon jetzt gute Eltern wären da wir unser Kind vor unglaublichen Schmerzen bewart haben. Hätte er seine 2% genutzt, dann hätten sie ihn von oben bis unten aufgeschnitten und er hätte nur Schmerzen in dieser Welt erfahren und das wollten wir nicht, wenn er schon sterben müsse dann bei mir und nicht alleine bei Fremden. Wie haben ihn auch genetisch untersuchen lassen, doch es lag kein genetischer Defekt vor. Er wurde in der Oase der Ewigkeit in der Schweiz beerdigt, seine Asche wird von einem Berg in den Wind gestreut und der Natur überlassen. Es war leider um es mit den Worten einer Ärztin auszudrücken einfach "Pech", wir hatten keine Schuld daran, es war eine Laune der Natur. Eine Zelle wurde falsch überschrieben, hatte also eine Fehlinformation und hat sich trotzdem weiter geteilt. Doch auch wenn der weibliche Körper darauf programmiert ist die Notbremse zu ziehen, konnte er es in diesem Fall doch nicht, wie den auch die Funktion des Herzens konnte ja nicht im Mutterleib ertestet werde, erst außerhalb davon. Wir sind froh das die Technik soweit fortgeschritten ist und man so etwas erkennt, wenn ich mir vorstelle ich hätte Theo auf die Welt gebracht und er wäre vielleicht in meinen Armen gestorben und wir hätten nicht gewusst wieso, die Ärzte hätten nicht einmal schnell reagieren können. Es war die richtige Entscheidung, aber es tut sehr weh. Wenn er auf der einen Seite nur ein halber Lungenflügel gehabt hätte, nur eine Niere oder einen Herzklappenfehler, das sind Dinge mit denen man leben kann. Doch so Etwas, nein, damit nicht! Eine Woche nach der Entbindung, am 18.11.2010 lag ich schon wieder im Krankenhaus, weil ich bewusstlos gewurden bin. Mein Mann hat mich gerade noch halten können sonst wäre ich mit voller Wucht aufgeschlagen , auch wenn mein Kopf ist noch etwas auf die Fliesen geprallt ist, aber zum Glück nur leicht. Ich saß auf dem geschlossenen Toilettendeckel da mir schwindlig wurde und dann gingen die Lichter aus. Mein Mann hat gleich den Notarzt geholt und im Krankenhaus hat man festgestellt das noch etwas in der Gebärmutter ist das man dann abgesaugt hat, doch das andere Krankenhaus kann dafür nichts da man eine Ausschabung blind macht und man eine Absaugung nicht danach gleich machen darf, wegen der Verletztungsgefahr.