Gedichte/Geschichten

 

 

Den Kindern zuliebe

den Kindern zur Ehre

den Kindern gewidmet

die uns vorausgegangen sind.

 

 

An mein Kind
 

Immer wieder wirst du mir
Im scheidenden Jahre sterben, mein Kind,
 
Wenn das Laub zerfließt
Und die Zweige schmal werden.
 
Mit den roten Rose
Hast du den Tod bitter gekostet,
 
Nicht ein einziges welkendes Pochen
Blieb dir erspart.
 
Darum weine ich sehr, ewiglich.....
In der Nacht meines Herzens.
 
Noch seufzen aus mir die Schlummerlieder,
Die dich in den Todesschlaf schluchzten,
 
Und meine Augen wenden sich nicht mehr
Der Welt zu;

Das Grün des Laubes tut ihnen weh.
— Aber der Ewige wohnt in mir.
 
Die Liebe zu dir ist das Bildnis,
Das man sich von Gott machen darf.
 
Ich sah auch die Engel im Weinen,
Im Wind und im Schneeregen.
 

(Else Lasker-Schüler)

 

Das Licht

 

Ich sah einen Kleinen Jungen, der trug eine Kerze. Ich fragte ihn: "Wo ist denn das Licht her?"

Da blies er es aus und fragte zurück: "Kannst Du mir sagen, wo es nun hingegangen ist?"
                              

Hassan v. Basra

 

Wenn Du beginnst zu lieben,
sagst du schon Ja zu den Tränen des Abschieds,
sagst Du Ja zu Enttäuschungen, die nicht ausbleiben,
sagst Du Ja zu Hoffnungen, die sich nicht erfüllen,
zu Anfängen, die unvollendet bleiben. 


(Walter Wais)

 

Das einzig Wichtige im Leben
sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, 
wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen müssen. 


(Albert Schweitzer)

 

Wenn Dir jemand erzählt,
dass die Seele mit dem Körper zusammen vergeht
und dass das, was einmal tot ist, niemals wiederkommt,
so sage ihm: Die Blume geht zugrunde,
aber der Same bleibt zurück und liegt vor uns,
geheimnisvoll, wie die Ewigkeit des Lebens. 


(Khalil Gibran)

 

Sie sagen, sie schenken dir das Leben. 
Sie müssten sagen, sie schenken dir den Tod. 
Denn es war nicht sicher, dass du lebst. 
Sicher ist, dass du sterben musst.


(Janosch)

 

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich tot entlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr,
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: Den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.


(Mascha Kaléko)

 

Du warst es wert

so sehr

geliebt zu werden

 

Du ist es wert

dass so viel

Traurigkeit

geblieben ist

an deiner

Stelle

 

Gitta Deutsch

 

 

Alles wird wieder gut, aber niemals wieder wie vorher!

(Sprichwort)

 

 

 

Nicht der Mensch hat am meisten gelebt,
welcher die höchsten Jahre zählt,
sondern derjenige,
welcher sein Leben am meisten empfunden hat.
 

Jean-Jacques Rousseau

 

 

Das Schlimme am Tod ist nicht die Tatsache,
dass er uns einen geliebten Menschen nimmt,
sondern vielmehr,
dass er uns mit unseren Erinnerungen allein lässt.

 

Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot,
der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.
Immanuel Kant

 

Ganz weit draußen

am Ende des Regenbogens

werde ich auf dich warten,

und wenn du endlich kommst,

werde ich sitzen bleiben

mit verschränkten Armen 

über meinen Knien,

damit du nicht so früh erfährst,

mit welches Sehnsucht

ich dich erwartet habe.

 

Antoine de Saint-Exupéry

 

Mein Sohn

Ich kenne dein Gesicht -
ohne je die Farbe deiner Augen gesehen zu haben.

Ich spüre noch immer Deine Berührungen -
ohne daß mich deine kleinen Hände
je gestreichelt haben.

Ich sehe deinen kleinen Mund vor mir -
ohne daß ich ihn je Mama sagen hörte.

Ich hielt dich in meinem Arm -
ohne dich je in den Schlaf gewiegt zu haben.

Ich habe dich geboren -
ohne dir Leben geschenkt zu haben.

Elternpaar

"Ab wann ist man ein Elternpaar?Sobald ein Kind geboren – klar!"So sprechen all die schlauen Leute seit Alters her und auch noch heute.Sie sagen, "Macht nicht so'nen Wind.Das war doch noch kein richt'ges Kind.Könnt neue haben jederzeit,Wozu nur diese Traurigkeit?"Sowas zu sagen trifft uns sehr,Vergrößert nur das Tränenmeer...Ich sag' Euch, warum wir traurig sind:Verloren haben wir ein Kind.Ein kleines Menschlein - wunderschön,weil wir es mit dem Herzen sehen.Wie groß, wie schwer - das ist egal,für uns ist dieses Kind real!!!Wir möchten einfach, daß Ihr wisstwie wichtig uns dies Menschlein ist!Drum nehmt uns bitte, wie wir sind -Eltern, die trauern um ein Kind.Kein anderes Kind, das uns geboren,wird je ersetzen, was wir verloren.Wenn Ihr uns wollt behilflich sein,schließt unser Sternenkind mit ein in Eure Reden und Gedanken -wofür wir herzlichst uns bedanken!Nennt seinen Namen, sein Geschlecht,wenn Ihr von unserem Baby sprecht...Tut nicht, als wäre nichts geschehen.Versucht, uns einfach zu verstehen.

Zeit

Damals blieb die Zeit für uns stehen
und dennoch müssen wir mühsam weitergehen.
Ganz langsam Schritt für Schritt,
so sagt man, kämpft man sich ins Leben zurück.
Doch was für ein Leben haben wir nun?
Mit Schmerz und Verzweiflung als Begleiter haben wir es zu tun!
Die Sehnsucht wächst von Tag zu Tag,
keiner weiß was noch alles kommen mag.
Aber die Liebe, die Liebe zu dir,
die hält uns aufrecht, die hält uns hier !

Seele

Kleine Seele in der Nacht, du hast mir soviel Glück gebracht,
musstest gehen, bist nun fort, weit an einem schönen Ort.
Regenbogen, Wasserfall, grüne Wiesen überall,
spielen, toben, frohes Treiben, hier musst Du ganz sicher bleiben.
Kleine Seele warte dort, wart auf mich an diesem Ort.
Eines Tages, Du wirst sehen, werden wir uns wieder sehen.

Träume

Schön hatte ich's mir vorgestellt
Wärst Du erst auf dieser Welt:

Ich wollte mit Dir spielen gehen
Deine ersten Schritte sehen
Lauschen Deinem ersten Wort
Mit Dir teilen Spaß und Sport
Deine Zuckertüte tragen
Antworten auf Deine Fragen
Dich begleiten durch das Leben
Dir meine ganze Liebe geben

Traurig schau ich Dein Foto an
Mußtest schon gehen, kleiner Mann
Erblicktest nie das Sonnenlicht
Vergessen werde ich Dich nicht!

Weihnachten ohne Walter

 

Weihnachten 1918 ist alles sehr schwer. Unser Bruder Walter fehlt. Er, der zweitälteste Sohn meiner Eltern, ist am 28. April 1918 als achtzehnjähriger Fahnenjunker im Westen gefallen. Eine schreckliche Lücke, die sein Tod auch in unseren Geschwisterkreis gerissen hat, ist nun da, und sie bleibt offen. Unsere Mutter ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, unser Vater um Jahre gealtert.An diesem Weihnachtsnachmittag sagt unsere Mutter: "Wir wollen nachher hinübergehen." Das Hinübergehen heißt, wir gehen alle auf den Friedhof. Walter ist nach Berlin überführt worden, sein Grab liegt auf einem nahe gelegenen Freidhof. Bald treffen wir uns unten in der Diele. Mama und Papa sind vorher noch einmal ins Weihnachtszimmer gegangen und haben einen Tannenzweig vom Baum geschnitten mit einem Licht und Lametta und nehmen diesen Weihnachtszweig für das Grab von Walter mit. Der Friedhof ist nicht weit entfernt, ungefähr eine Viertelstunde gehen wir zu Fuß hinüber. An Walters Grab ist auch ein Bänkchen, aber Papa rät Mama ab, sich hinzusetzen, weil es so kalt ist. Mama stellt Christrosen auf das Grab, sie versucht, alles schön hinzulegen, Papa hilft ihr dabei und wir Kinder fegen Schnee und dürre Blätter weg. Dann richtet Mama sich auf und geht am Arm unseres Vaters voran. An der Kapelle schaut sie noch einmal zurück. Jetzt geht es zu Fuß durch die weihnachtlichen Straßen nach Hause. Bis wir daheim sind, ist es fast dunkel, aber das kahle Gezweig der Akazien und der Obstbäume in unserem Garten hebt sich noch scharf vom Winterhimmel ab. Auch in den folgenden Jahren ist es zu Weihnachten bei diesem Friedhofsgang geblieben.Bei meiner Erinnerung an die Weihnachts- und Nachweihnachtszeit in unserem Elternhaus denke ich auch gern an die Silvesterfeier. Erst diese beendete die Weihnachtszeit. Auch dieser letzte Jahrestag wird mit bestimmten Bräuchen gefeiert. Nach dem Abendessen, zu dem es Karpfen oder sonst etwas Besonderes gibt, ziehen sich unsere Eltern zurück. Jedes jahr schreiben sie dann in ihr Silvesterbuch von allen wesentlichen Begebenheiten, die das Jahr uns gebracht hat. Doch nach Walters Tod entsteht eine Pause von 10 Jahren. Der Silvesterbericht schloss 1917, als beide älteren Brüder Soldaten waren, mit dem Wunsch "Möchten wir 1918 wieder vereint sein.". In den folgenden Jahren fehlte der Mut, den unterbrochenen Faden wieder aufzunehmen und an das Verlorene anzuknüpfen. Wir Kinder bekommen das Buch nicht zu sehen. Silvester 1927 schreibt men Vater wieder in das Silvesterbuch. Zehn Jahre hatte es geruht, seit Walters Tod.

Das bin ich

Seht ihr die Blätter dort im Wind?
Es sind sehr viele - sicherlich -
doch achtet drauf wie schön sie sind;
und eins der Blätter - das bin ich.

Seht die Wolken am Himmel ziehen,
schaut ihnen zu und denkt an mich,
das Leben war doch nur geliehen,
und eine Wolke - das bin ich.

Die Schmetterlinge auf der Wiese,
perfekt erschaffen - meisterlich,
ich bin so fröhlich grad wie diese,
und einer davon - das bin ich.

Die Wellen, die vom Bach getragen,
erinnern sie vielleicht an mich?
Ihr müsst nicht lange danach fragen:
denn eine Welle - das bin ich!

Blumen erblühen in all ihrer Pracht
die Rose und selbst der Wegerich,
und alle sind für euch gemacht
und eine Blume - das bin ich.

Ich möchte nicht, dass ihr jetzt trauert,
für mich wär das ganz fürchterlich.
Tut Dinge, die ihr nie bedauert:
Denn Eure Freude - das bin ich!

 

Land der Sternenkinder

Das Land der Sternenkinder fern darf man im Traum besuchen. Man fliegt vorbei am Märchenstern und landet zwischen Buchen.Tritt man aus dem Wald heraus, wiegt Blumen leis der Wind. Bunt und lustig sieht das aus, so liebt es jedes Kind!Schönes Spielzeug gibt es hier, auch manchen Kletterbaum. Der große Zoo mit Wildgetier ist auch ein Kindertraum.Sonnig-warm ist's jeden Tag, weil Kinder gerne lachen. Und wollen sie im Schnee rumtoben? Auch dieses läßt sich machen!
Wenn einmal leichter Regen fällt aus Wolken, die vorrüberzogen, zaubert er an's Himmelszelt 'nen bunten Regenbogen.Es spielen schön in lust'ger Runde die Sternchen groß und klein. Sie lachen, toben manche Stunde im hellen Sonnenschein.Keinen Zank und keinen Streit gibt es in dieser Schar - nur Kinderlachen weit und breit lauscht man - wunderbar!Nichts und niemand stört den Kreis der kleinen Engelein... doch manchmal, wunderbar und leis, dringt doch von außen ein,ein kleines Lied, ein liebes Wort, ein Schluchzen, ein Gebet - beweist, das (obgleich sehr weit fort) der Eltern Liebe nie vergeht!Glücklich ist der kleine Stern und macht sich auf die Reise. Grüßt seine lieben Eltern fern auf seine eigene Weise.Sein Zeichen kann der Regen sein, der Sternenglanz im Dunkel, der Schmetterling, der Windhauch fein, das Morgentaugefunkel.Das Land der Sternenkinder fern - wie gut, das es das gibt! Es hütet jenen kleinen Stern, auf Erden heiß geliebt.

Loslassen

Loslassen bedeutet nicht vergessen,

loslassen heißt nicht, 

nicht lieben,

loslassen ist nicht negativ,

loslassen ist nur,

nicht mehr festhalten,

loslassen,

im Jetzt sein,

hier sein,

die Vergangenheit loslassen,

im Augenblick leben,

vertrauensvoll und zuversichtlich, 

Veränderungen annehmen,

der Kraftpunkt liegt in der Gegenwart.

Petra Timm-Bortz

 

 

Verabschieden

Ich muss mich verabschieden,
verabschieden von meinen Träumen,
verabschieden von meinen Wünschen,
verabschieden von meinem Kind,
verabschieden von einer Zeit der Hoffnung,
von einer Zeit des Glücks,von einer Zeit der Freude.
Aber das fällt mir so schwer,
diese Zeit habe ich immer wieder vor Augen,
ich weiss,dass ich 
nicht daran festklammern darf,
ich loslassen muss.
So hoffe ich auf eine andere, 
eine neue Zeit:
eine Zeit der Hoffnung,
eine Zeit des Glücks,
eine Zeit der Freude.

                                                             Petra Timm-Bortz

 

 

Ich liege wach so manche Nacht
und denke nur an dich.
Habe geschlafen, bin wieder aufgewacht
und fühle so verlassen mich.

Wir haben gekämpft,
wir haben gehofft,
wir wollten dich nicht lassen geh'n.
Doch Du hattest noch nicht die Kraft dazu
deinen ersten Tag auf dieser Welt zu übersteh'n.

Nun mussten wir zu Grabe Dich tragen,
die Augen vor Tränen fast blind.
Trotzdem wollen Dank wir Dir sagen,
dass es Dich für uns gab, unser kleines Kind.

Nun stehe ich an Deinem Grab
und weine, weil getrennt wir sind.
"Weine nicht mehr, eines Tages seid ihr wieder vereint."
das flüsterte mir heute der Wind.

 

Wenn Engel einsam sind

Wenn Engel einsam sind
in ihren Kreisen,
dann gehen sie von Zeit
zu Zeit auf Reisen.

Sie suchen auf der ganzen Welt
nach ihresgleichen,
nach Engeln, die in Menschgestalt
durchs Leben streichen.

Sie nehmen diese mit
zu sich nach Haus –
für uns sieht dies Verschwinden
dann wie Sterben aus.

Renate Eggert-Schwarten

 

"...Es wird dir Schmerz bereiten. Es wird aussehen, als wäre ich tot, und das wird nicht wahr sein..."

... "Du verstehst. Es ist zu weit. Ich kann diesen Leib nicht mitnehmen. Er ist zu schwer." ...

... "Aber er wird daliegen wie eine alte verlassene Hülle. Man soll nicht traurig sein um solche alten Hüllen..."

Auszug aus "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupèry

 

TOD ZUR UNZEIT 

Jetzt bist Du schon gegangen, Kind, 
Und hast vom Leben nichts erfahren, 
Indes in unsern welken Jahren 
Wir Alten noch gefangen sind. 
Ein Atemzug, ein Augenspiel, 
Der Erde Licht und Luft zu schmecken, 
War Dir genug und schon zu viel; 
Du schliefest ein, nicht mehr zu wecken. 
Vielleicht in diesem Hauch und Blick 
Sind alle Spiele, alle Mienen 
Des ganzen Lebens Dir erschienen, 
Erschrocken ziehst Du Dich zurück. 
Vielleicht, wenn unsre Augen, Kind, 
Einmal erloschen, wird uns scheinen, 
Sie hätten von der Erde, Kind, 
nicht mehr gesehen, als die Deinen. 

Hermann Hesse

 

Auf den Tod eines Kindes

Du kamst, Du gingst mit leiser Spur, 
ein flücht'ger Gast im Erdenland; 
woher? Wohin? Wir wissen nur: 
Aus Gottes Hand in Gottes Hand.

Ludwig Uhland

 

Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.
Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume.
Ich leb in euch, ich geh in eure Träume,
da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.

Ihr glaubt mich tot, doch dass die Welt ich tröste,
leb ich mit tausend Seelen dort,
an diesem wunderbaren Ort,
im Herzen der Lieben. Nein, ich ging nicht fort,
Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.

Michelangelo Buonarroti

 

Du nahmst alle Farben mit

Du nahmst alle Farben mit.
Die Welt liegt schleiermatt
um mich herum wie ein Entwurf,
der keine Zukunft hat.

Kann meine Seele heller werden,
und Atmen wieder leicht?
Ist Hoffnung, dass der Schmerz jemals
erneuter Freude weicht?

Mein Glück ist fort.
Ein neues nicht in Sicht.
Doch sollte es mich überraschen -
vergessen werde ich Dich nicht.

Renate Eggert-Schwarten

 

 

Wieder eine schlaflose Nacht,
wieder nur an Dich gedacht.
Wieder die ganze Nacht geweint,
wieder ein Tag an dem alles hoffnungslos scheint.
Wieder wird mit klar,

Du bist nicht mehr da.

 

Wer weiß

Wir kommen, wer weiß, woher.
Wir gehen, wer weiß, wohin.
Wir sind wie die Welle im Meer
allein und doch darin.

Wir sind wie das Licht ein Teilchen
und ebenso ein Strahl.
Wir sind auf der Erde ein Weilchen
und vielleicht ein ums andere Mal.

Wer weiß, woher wir gekommen,
wer weiß, wohin wir gehen?
Es bleibt für uns  verschwommen,
bis wir selbst am Ende stehen.

Renate Eggert-Schwarten

 

 

Du warst nur Gast in meinem Leben,
gingst mit mir ein sehr kurzes Stück,
doch hast Du mir soviel gegeben,
wie gern dreht ich die Zeit zurück!

Du reistest aber eilig weiter
in jenes Land dort hinterm Wind,
vielleicht bist Du mein Wegbereiter
zu unser aller Ziel, mein Kind.

 

 

Wenn eine Mutter ihr Kind überlebt,
ist es, als ob einem Baum
ein tragender Ast abbricht;
dennoch wird der Baum
auch im nächsten Jahr blühen,
doch er wird nie vergessen können,
dass einst an diesem Ast
eine Kinderschaukel hing
und fröhliches Lachen erklang.

 

 

Ich bin von euch gegangen

nur für einen kurzen Augenblick

und gar nicht weit.

Wenn ihr dahin kommt,

wohin ich gegangen bin,

werdet ihr euch fragen,

warum ihr geweint habt.

 

Lao-Tse 

 

Mein Weg der Trauer

Den Weg, den ich vor mir habe, kennt keiner.
Nie ist ihn einer so gegangen,
wie ich ihn gehen werde.
Es ist mein Weg. Unauswechselbar.
Ich kann mir Rat, Hilfe und Trost holen,
aber gehen muss ich ihn allein.
Ich will diesen Weg gehen,
so schwer er auch sein mag.
Und sicher wird es immer beides geben;
Tränen, Wut, Schmerz und Verzweiflung,
aber auch Hoffnung, Liebe und Dankbarkeit.
Es soll mein Weg sein.
Mein eigener Weg.

(Verfasser unbekannt)

 

 

Nicht alle Schmerzen sind heilbar,
denn manche schleichen sich
tiefer ins Herz hinein,
und während Tage und Jahre verstreichen,
werden sie Stein.

Du sprichst und lachst,
wie wenn nichts wäre,
sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder
mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
da blüht nichts mehr.

(Ricarda Huch)

 

Trauer kann man nicht überwinden
wie einen Feind.
Trauer kann man nur verwandeln:
den Schmerz in Hoffnung
die Hoffnung in tieferes Leben

(Sascha Wagner)

 

 

 

Ein Jahr heißt es
muss vergehn
ehe es leichter wird

erst wenn die Tage
wieder kürzer
und kühler werden

erst wenn die gelben
und roten
Blätter fallen

erst wenn die Nebel
wieder weiß
die Bäume verhüllen

dann erst beginnt
das zweite Jahr
dann erst können sich
erste Narben bilden

dann erst-
und immer vorausgesetzt
dass der Schmerz von gestern
das Alleinsein von heute
und die Leere von morgen

zu ertragen waren
bis dahin
*
Das Jahr ist vergangen
nachdem - so hieß es
alles leichter wird

Das Jahr der Besorgnis
darf jetzt
als beendet gelten

Das Jahr - wie hieß es
der Trauerarbeit
ist jetzt vorüber

Das Jahr
der neuen Gedanken
das Jahr der Anpassung
muss doch
begonnen haben

Es ist das Jahr des Treibsands
der leise nachgibt
unter den Füßen
-
das Jahr
indem ihr mich
nicht mehr rufen hört

(Gitta Deutsch)

 

Manchmal
sind Erinnerungen wie ein Regenguss
kommen auf dich herab,
erwischen dich ganz unvermutet.

Manchmal
sind Erinnerungen wie Gewitter,
schlagen auf dich ein,
gnadenlos in ihrem Auftauchen,
und dann wenn sie aufhören
lassen sie dich ermüdet und geschafft zurück

Manchmal
sind Erinnerungen wie Schatten
schleichen sich heimlich von hinten an,
verfolgen dich rundherum,
dann verschwinden sie
lassen dich traurig und verwirrt zurück.

Manchmal
sind Erinnerungen wie eine Daunendecke
umgeben dich mit Wärme
üppig, überreichlich
und manchmal bleiben sie,
hüllen dich in Zufriedenheit.

(Marsha Updike)

 

Kerzen für dich?

 

Wie viele Kerzen
habe ich dir angezündet...
Nein nicht dir - mir

Du kennst
keinen Tag keine Nacht
kein Hell kein Dunkel

Ich
brauche das Licht
um mich nicht zu verlieren
im Trauerlabyrinth

Vielleicht komme ich
irgendwann
an seinem Ausgang an

(Renate Salzbrenner)

 

 

Da ist ein Land der Lebenden
und da ist ein Land der Toten.
Die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe,
das Einzig-Bleibende, der einzige Sinn.

 

(Thornton Wilder)

 

Die Sterne sind schön,
weil sie an eine Blume erinnern,
die man nicht sieht...

(aus: "Der kleine Prinz") 

 

Du bist nicht mehr da, wo du warst..
aber du bist überall, wo ich bin.

Ein Mensch wird nicht sterben,
solange ein anderer
sein Bild im Herzen trägt.

Ich kehre zurück an die Orte,
wo wir uns begegnet sind
- und du bist da.

Ich gehe die Wege,
die du gegangen bist.
Du gehst wieder mit mir.

Ich freue mich an dem,
was dich weiterhin erfreut hätte,
und sehe dich mitlächeln.

Ich gehe den Spuren nach,
die du hinterlassen hast,
und begegne dir immer wieder.

Nichts kann uns trennen,
wenn uns
so viel
verbindet.

(Verfasser unbekannt)

 

Wie ist die Zeit vergangen,
seit du gestorben bist!
Ich spüre ein Verlangen,
das unerfüllbar ist,

die Sehnsucht, gutzumachen,
was falsch war und mißlang,
zu weinen und zu lachen:
Ich liebe dich. Hab Dank!

Noch einmal mit dir sprechen,
gereift aus langem Weh,
den Bann des Schweigens brechen
verstehender denn je.

Wie wär es mit uns beiden,
wärst du noch auf der Welt?
Wie, zwischen Glück und Leiden,
wär es um uns bestellt?

Ein Trost wächst durch das Schwere,
ernüchternd wunderbar:
Es war so, wie es wäre,
es wäre, wie es war.

(Detlev Block)

 

Es sind die Glückskinder
die die Erde überspringen dürfen,
um dort hinzugelangen
wofür wir einen weiten Weg gehen müssen.
(VerfasserIn unbekannt)

 

Woher kommen wir,
was wird aus uns?

Ein Schnurps grübelt

Also, es war einmal eine Zeit,
da war ich noch gar nicht da.
Da gab es schon Kinder, Häuser und Leut
und auch Papa und Mama,
jeder für sich -
bloß ohne mich!

Ich kann mir´s nicht denken. Das war gar nicht so.
Wo war ich denn, eh es mich gab?
Ich glaub´, ich war einfach anderswo,
nur, dass ich´s vergessen hab´,
weil die Erinnerung daran verschwimmt -
Ja, so war's bestimmt!

Und einmal, das sagte der Vater heut´,
ist jeder Mensch nicht mehr hier.
Also gibt's noch: Kinder, Häuser und Leut´,
auch die Sachen und Kleider von mir.
Das bleibt dann für sich -
bloß ohne mich.

Aber ist man dann weg? Ist man einfach fort?
Nein, man geht nur woanders hin.
Ich glaube, ich bin dann halt wieder dort,
wo ich vorher gewesen bin.
Das fällt mir dann bestimmt wieder ein.
Ja, so wird es sein!

(Michael Ende)

 

Unendlichkeit

Deine Geburt
habe ich eigentlich
nicht begriffen.
Wo kamst du her?
Rasch besetzte ich
dein Kindergesicht
mit meiner Liebe.
Der Unendlichkeit
deines Daseins
war ich mir sicher.

Deinen Tod
habe ich eigentlich
nicht begriffen.
Wo gingst du hin?
Meine Liebe ist
auf der Suche
nach dir.

Der Unendlichkeit
deines Daseins
bin ich mir sicher.

(Renate Salzbrenner)


 

Du bist da
Ich sehe dich nicht.
Dein Körper
wurde mit Erde
zugedeckt.
 Ich höre dich nicht.
Deine Stimme
rückt ferner
von Tag zu Tag.
Meine Hände
fassen nach dir
und greifen
ins Leere.
Aus deinen 
Kleidern
verfliegt mir
der letzte Duft.
Und doch bist
du da -
in mir.
(Renate Salzbrenner)

 

Das Sterben

 

Vielleicht ist es
kein Weggehen
sondern Zurückgehen?

Sind wir nicht unterwegs
mit ungenauem Ziel
und unbekannter Ankunftszeit
mit Heimweh im Gepäck?

Wohin denn
sollten wir gehen
wenn nicht
nach Hause zurück?

(Anne Steinwart)


 


 

Meine beiden Gesichter
 
Geht es dir gut,
werde ich gefragt
im Vorübergehn.
Doch, gut, sage ich
und zeige
das passende Gesicht:
mein gutgehendes Gesicht.
Mein anderes Gesicht
verberge ich liebevoll
unter meiner Kleidung.
Zuhause ziehe ich
mich aus.
Dann darf es
seine Trauer tragen.
(Renate Salzbrenner)


 


 

Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann ertheilen;
Armes Herz, du willst nicht daß die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.

(Friedrich Rückert)


 


 

Wie du in mir noch lebst,
bin ich mit dir gestorben.
Wie sich ein Teil von dir
noch regt in meinem Tun,
so will ein Stück von mir
in deinem Frieden ruhn.
Wie du noch Heimat hast
durch mich in dieser Welt,
so wird im andren Land
durch dich mein Haus bestellt.

 

(Lily Sauters)

 

 

Dich zu verlieren war sehr schwer.
Dich zu vermissen noch viel mehr.
Aber die Erde hat kein Herz,
fühlt kein Mitleid, keinen Schmerz,
sie ist gerade wie das Meer.
Was sie einmal hat, gibt sie nicht mehr her.
Du wirst in meinem Herzen leben.
Du warst mein Leben.

Die Trauer der Braut drei Wochen war, 
die Trauer der Schwester, die war drei Jahr,
die Mutter hat der Trauer gepflegt, 
bis müde sie selbst ins Grab sich gelegt.


Johann Wolfgang von Goethe

 

Zu früh und tief ist unser Schmerz,
so früh schon brach Dein junges Herz.
Es schloss der Tod zur ewigen Ruh,
Dir viel zu früh die Augen zu.

 

Die Hoffnung ist an deiner Seite,
wie lange und dunkel dein Weg
durch die Trauer auch sein mag.
Sie begleitet dich und gibt
dir immer wieder Halt.
Still und geduldig wartet sie,
bis dein Herz bereit, dass
was dir neu geschenkt wird,
vertrauensvoll anzunehmen.

 

Immer wieder denk ich,
das ich am ende bin.
Das ich nicht mehr tiefer falle.
Immer wieder merk ich das es tiefer geht,
und ich tiefer falle.
Immer wieder denk ich,
das meine Schmerzgrenze erreicht ist.
Das ich nichts mehr fühle.
Immer wieder merk ich das es mehr gibt,
und ich mehr spüre.
Immer wieder denk ich,
das ich aufgebe.
Das ich nicht mehr kann.
Immer wieder merk ich das ich noch kämpfe,
und noch lebe. 

 

Dein Leben ist dahin geschieden,
durch des Todes starker Hand.
Wir werden ewig daran denken,
was gemeinsam uns verband.
In tiefer Trauer steh'n wir hier,
voll Tränen vor dein Grab
und tief im Innern denken wir,
schön war's das es Dich gab.

 

Wenn ich einmal von dir gehen sollte,
geh zurück ins Leben und lach für mich weiter.

 

Der Tod ordnet die Welt neu.
Scheinbar hat sich nichts geändert
und doch ist alles anders geworden.

(Antoine de Saint-Exupéry)