Theos Krankheit

Beim hypoplastischen Linksherz-Syndrom (HLHS), auch Linksherzhypoplasie-Syndrom genannt (hypoplastisch = zu klein, unterentwickelt), handelt es sich um mehrere miteinander vergesellschaftet auftretende Fehlbildungen des Herzens und der angeschlossenen Hauptschlagader (Aorta). Das hypoplastische Linksherz ist durch eine vollständige Ductusabhängigkeit (also den Blutdurchfluss durch eine kleine Gefäßverbindung, den Ductus arteriosus Botalli) charakterisiert. Ursache dafür sind:

  • eine hochgradige Aortenklappenstenose bzw. Aortenklappenatresie (Verengung bzw. Fehlen/Verschluss einer Herzklappe zwischen Aorta und linker Herzkammer = Ventrikel)
  • und/oder eine Mitralklappenstenose bzw. Mitralklappenatresie (Verengung oder Fehlen/Verschluss der Klappe zwischen linkem Vorhof und linker Hauptkammer)
  • mit hochgradiger Hypoplasie (= Unterentwicklung) der Aorta ascendens (dem aufsteigenden Teil der großen Körperschlagader), aus der die Koronararterien entspringen) (2-4 mm, normal 10-12 mm) bei Typ I
  • und bei Typ II (anderes Erscheinungsbild des Herzfehlers in unterschiedlicher Ausprägung) mit normalem Durchmesser der Aorta ascendens
  • und sehr kleinem (hypoplastischem) oder fehlendem linken Ventrikel (der sich aufgrund der Mitralklappenfehlbildung erst gar nicht entwickeln kann)
  • und oft gleichzeitig vorliegendem hypoplastischen linken Vorhof = Atrium

Auch eine Endokardfibrose (Verdickung der Herzwand ohne funktionellen Nutzen) des linken Ventrikels und Vorhofes kann regelhaft vorkommen. Meist ist das Ventrikelseptum (Herzscheidewand auf Kammerebene) intakt, während ein offenes Foramen ovale (= Öffnung zwischen dem rechten und linken Herzvorhof, die auf Grund ihres Aussehens Foramen ovale (= „ovales Loch“) genannt wird) oder ein echter Vorhofseptumdefekt (ASD) den Abstrom des pulmonal-venösen (von der Lungenvene fließenden) Blutes aus dem linken Vorhof in den rechten Vorhof ermöglicht. In bis zu 20 % der Fälle besteht eine präduktale Aortenisthmusstenose (= Enge der Aorta vor der Einmündung des Ductus arteriosus). Die rechten Herzstrukturen sind meistens kompensatorisch vergrößert (Vergrößerung/Hypertrophie des rechten Vorhofes und Ventrikels).

Körperliche Vorgänge/Pathophysiologie

 

Im Gegensatz zum regulären Blutstrom eines regelrecht entwickelten Herzens fließt beim HLHS zunächst das Blut der Lungenvenen über den linken Vorhof. Die bestehende Vorhoflücke (Foramen ovale), die das Überleben des Kindes sichert, lässt zu, dass sich das Blut über den rechten Vorhof mit nicht sauerstoffgesättigtem Blut vermischt. Man nennt dies medizinisch Links-Rechts-Shunt. Weiter fließt dann vom rechten Ventrikel das Mischblut in die Pulmonalarterie und weiter über den Ductus arteriosus Botalli wieder in die Aorta decendens (absteigender Teil der Aorta, weiter geteilt in die Brust-Aorta und in die Bauch-Aorta). Zur gleichen Zeit fließt über den offenen Ductus arteriosus entgegen der normalen Strömungsrichtung Blut in die (unterentwickelte) Aorta ascendens (Teil der Aorta, aus der die Koronararterien entspringen) und damit in die Koronararterien. Diesen Vorgang nennt man „retrograde Perfusion“.

Kinder mit diesem Krankheitsbild werden auch als "Blue Baby" bezeichnet.

Behandlung

 

Bei sichergestellter Diagnose eines hypoplastischen Linksherz-Syndroms gibt es heute verschiedene Ansätze zur Behandlung:

  1. das Kind wird ohne medizinische und operative Versorgung dem sog. „natürlichen Verlauf“ überlassen. Das heißt, es verstirbt in der Regel innerhalb weniger Tage oder Stunden, nur in Ausnahmefällen in wenigen Wochen.
  2. die 3-stufige Palliation mittels der sogenannten Norwood-Operation, auch Norwood-Procedure genannt.
    • Diese Operationstechnik umschließt zunächst eine erste lebenserhaltende Operation, die Norwood-Stage1-Operation, wobei zunächst die unterentwickelte Aorta mittels eines Kunststoffflickens erweitert wird. Dazu wird bei dieser Operation gleichzeitig der rechte Ventrikel mit der Aorta verbunden und ein Shunt (= Kunststoffröhrchen) für die Lungendurchblutung angelegt. Diese Operation erfolgt unter Einsatz der Herz-Lungenmaschine und im Zustand des Herzstillstandes.
    • Die Norwood-Stage2-Operation, auch Glenn-Anastomose genannt (bzw. „Hemi-Fontan“), bewirkt eine Verbindung der oberen Hohlvene mit der Arteria pulmonalis. Das Kind erhält durch diese Operation eine sicherere Lebenssituation, da der Shunt der ersten Operation nun entfernt werden kann. Eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten ist in den meisten Fällen nicht mehr nötig.
    • Norwood-Stage3-Operation = kompletter Fontan (TCPC): bei diesem Operationsschritt erfolgt ein Anschluss nun auch der unteren Hohlvene an die Pulmonalarterie, sodass eine komplette Kreislauftrennung erzielt wird.
  3. als seltene letzte Möglichkeit: eine Herztransplantation

Prognose

Obwohl das HLHS ein sicherlich schwerwiegender Herzfehlbildungskomplex ist, zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass in den spezialisierten Herzzentren die Behandlung dieses Herzfehlers mittlerweile gute Behandlungsaussichten bietet. Die Erfahrungen aus Amerika zeigen, dass es bereits Erwachsene gibt, die einstmals mit HLHS geboren wurden und die durch Norwood-Procedure eine gute bis sehr gute Lebensqualität erhielten. Mittlerweile gilt das HLHS in Amerika nicht mehr zwingend als Indikation zur Abtreibung. Im Gegenteil gibt es sogar eine Behandlungspflicht für Kinder mit dieser Fehlbildung, da bei adäquater Behandlung diesen Kindern zu einem normalen Leben mit guter Lebensqualität zu verhelfen ist.

Die unterschiedlichen Betrachtungsweisen zwischen Deutschland und Amerika rühren auch daher, dass z. T. die Zahlen aus den Anfängen dieser Operationstechnik in Deutschland noch immer mit in die Sterblichkeitsquoten einfließen, welche dadurch ein verfälschtes Bild der heutigen Realität zeigen. Durch den Einsatz routinierter Kinder-Herzchirurgen, verbesserte Operationstechniken und verfeinerte Untersuchungsmethoden hat ein großer Teil der heute operierten Kinder wesentlich bessere Langzeitprognosen als noch zu Beginn dieser Operationstechnik in den 1980er Jahren. Als letzte Option verbleibt auch noch die Möglichkeit einer Herztransplantation, die mittlerweile schon mit guten Erfolgen durchgeführt werden kann. Für das HLHS gibt es also verschiedene Behandlungsansätze, die dem Kind die Möglichkeit zu einem erfüllten Leben mit guter Lebensqualität eröffnen.

Noch ein Wort von uns dazu

Zum Schluss muss ich dazu aber noch sagen das unser kleiner Theodor die schlimmste Form des hypoplastischen Linksherzens hatte und bei ihm auch bereits ,im Gegensatz zu anderen Erkrankten, eindeutige Schäde im Gehirn durch die Unterversorgung zu sehen war. Seine Überlebenschance betrug unter 2%. Wenn wir also die Op zugelassen hätten (also wenn er übehaupt die Geburt überlebt hätte, egal ob eine Natürliche oder einen Kaiserschnitt), wäre er sofort an die Herzlungenmaschine angeschlossen wurden. Später hätten sie ihn dann operiert und er hätte dann vielleicht all die schmerzhaften Ops überstanden, dann hätte er eine Lebenserwartung von etwa 3 Jahren gehabt. Er wäre sein ganzes Leben lang an ein Sauerstoffgerät gebunden gewesen, da bei der Op die linke Herzhälfte weggenommen wird und dann die rechte beide ersetzt, das heißt das die Lunge passiv durchblutet wird. Von den sekundären Schäden im Gehirn möchte ich erst garnicht sprechen, durch den Sauerstoffmangel während der Geburt, nach der Geburt und vor und bei jeder Op. Das ist kein Leben für ein Kind, wenn es vermutlich nicht einmal weiß das es da ist und nur vor sich hinvegetiert, er hätte nie mit anderen Kindern spielen können.   Als Eltern hätten wir immer in Angst leben müssen wenn er vielleicht einmal eine Erkältung hat, denn diese hätte ihn umgebracht. Es gibt von dieser Erkrankungen Kinder die später nach den Ops ein normales Leben führen können, doch diese Kinder haben viel besser Prognosen , da das Syndrom nicht so stark ausgeprägt ist wie bei Theo. Bei ihm war es leider sehr schlimm, es war überhaupt keine linke Herzkammer vorhanden.